Ingeborg Henrichs für #kkl60 „In den Rückspiegel“
Flüstern der Zeit
In blassen Hüllen
reist das alte Jahr hinfort
ein Kuss, gehaucht, bleibt
wie ein Flüstern der Zeit
mitschwebend im Morgengrau
Gedankengänge
Mein innerer Rückwärtsblick
Befreit Lächeln, still

Die alten Träume
Kreisen im offenen Raum
Alles bleibt im Spiel

Sie ist
Ja, der alte Mann, der gerade vor ihnen ausstieg, hat geweint. Während er dieses Lied im Radio hörte, liefen ihm die Tränen über das Gesicht. Sichtlich berührt sprach der Taxifahrer von ihm, während der alte Mann nun zu seinem Sohn hinaufging. Auf diesen ist er sehr stolz; vielleicht kennen Sie ihn auch. Er betreibt eine angesehene Orthopädiepraxis hier im Haus.
Von diesem Arzt komme ich gerade, er ist wirklich sehr gut. Ich nahm das Gespräch mit dem Taxifahrer auf, der noch immer von dem alten Mann berührt war. Er erzählte mir, dass vor zwei Jahren seine Frau gestorben war. Zuletzt hatte sie ihn nicht mehr erkannt, sie wusste nicht, ob er bei ihr war oder nicht. Alzheimer lautete die Diagnose, und einmal, so berichtete der alte Mann, wollte er unbedingt zu seiner Frau ins Pflegeheim.
„Wieso er es denn so eilig habe, wenn ihre Frau Sie nicht mehr erkennt? Warum dann die Eile?“, wollte der Taxifahrer wissen. Bei dieser Frage habe der alte Mann gelächelt und seine Antwort war: „Sie erkennt mich nicht, aber ich erkenne sie – sie ist meine Liebe.“
Ingeborg Henrichs, zuhause in Ostwestfalen, verfasst kürzere Texte, fotografiert gern Momente, die gedanklich weiterführen. Schätzt das Schöne und Wertvolle in Natur und Kultur. Einige Veröffentlichungen.
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