Ralf Oldenburg für #kkl61 „Aus der Glaskugel“
goldfisch
sein blick ist vom langen entlangziehn am glasrand
ganz trüb geworden. die lidlosen augen
vielleicht, vielleicht nicht mehr gerichtet auf uns,
die wir hier im jenseits die kugel befragen.
ob der kaum noch sehende weiß, dass er bald
schon der letzte sein wird. und ob wir, als schatten,
ihm wirklich erscheinen. nicht sichtbar die grenze,
wenngleich genau die zwischen leben und leben.
ein luftloser erdball, nach innen gewendet.
transparent platons höhle, und dennoch kein ausweg
aus der leere, kein sprung und kein trick und kein nemo.
dabei hinge viel davon ab, schauen wir doch
auf einen, der alles weiß übers sichfügen.
die fügung für ihn sind wir selbst, sein schicksal
von uns bestimmt. – er behält seine weisheit
für sich. keine antwort für uns aus der kugel.
die lehre: nur stille. sein schweigen: nur gold.
Ralf Oldenburg
Geboren 1968 am Niederrhein, lebte und arbeitete er nach dem Studium viele Jahre lang als Lehrer für deutsche Sprache und Literatur im Ausland, darunter in Ländern wie Italien, China und Indien. Er schreibt derzeit in Berlin, vor allem Lyrik. Artikel und Veröffentlichungen in diversen Print- und Online-Medien.
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