Avy Gdańsk für #kkl6 „Zeitenwende
Aas im Speckmantel
Wer war Jesus wirklich, fragte das Reli-Arbeitsbuch. Sie schrieb Wildschwein und malte die Hauer dazu. Dem Vater würde es nicht gefallen. Sie mochte es umso mehr. Schwoll an vor Stolz, doch nur ein wenig, sonst würde sie platzen und ihr das Geheimnis rausrutschen.
Etwas an ihr war faul, war Verdorbenes mit Süße, Schwärmut. Unter ihrer Kruste gor ein Geruch, den der Vater nicht riechen konnte, ein Zuviel an Blumen, rot und rott. Er schnüffelte ihr zwar hinterher und prahlte mit Allwissenheit, doch den Geruch bemerkte er nicht.
Seine Gestalt eine Legende, an die sie seit Kindheitstagen hatte glauben müssen, die er mit bebenden Schläfen und mahlendem Kiefer umrissen hatte: Gott hatte ihn nach seinem Ebernbild geschaffen. Opfertier. Schindluder. Er übertünchte sie. Stank zum Himmel.
Von dort krochen andere Götter, olfaktorisch ausgebildet, rochen den falschen Braten, mit dem man sie betrügen wollte. Diese Götter, geübte Trüffelschweine, spitzten ihre Rüssel und trennten den Duft vom Gestank.

Avy Gdańsk: hinter den Häuten, am Innen entlang, immer vom Weg ab. Erlebt in Wiesbaden. Aber auch anderswo. Schreibt im absolut-zine und im mosaik. Aber auch anderswo. Überall und jederzeit: Blumen.
