Susanne Sommer für #kkl9 „beseelt“
See-le-ben unergründbar
ohne Grund
undurchschaubar
wild wirbelnde Partikel winken
aus Geist und Schlick
bodenlos
gar nicht tief
aber hohe Wellen
Bodenwellen
die Leben kosten
bis an den Grund des Wesentlichen
für die Augen unsichtbar
nur das Herz sieht gut
auf raue Segel gehisst
verklickert es den Weg
durch Irrwege aus Schilf und Rohr
kann still liegen
wie der Ozean
dann plötzlich geritten
von Poseidon
oder vom Donauweibchen
Wogen bleiben Wogen
ist doch egal
mit klatschnassen Peitschen
festes Land erreichen
Wasser bis zum Halse
auch Kopfsprünge gibt es
ab und an
knipsen sich die Sterne ins Licht
und singen hinunter
wo da tiafe Grund
unt‘ am See do d’runt
wo man schwimmt gegen Ströme
aufbricht
zu neuen Ufern
wie Treibholz
hin- und hergespült
geworfen
getragen
durch Quellen
die unterirdisch liegen
verborgen unter Schichten
aus Schlamm und Schlotter
wenn eine Flasche Post bringt
mach sie auf
find see-lige Antworten
die kamen von Anderswoher …
Aus dem Lyrikband „See-le-ben“ erschienen im Verlag Berger

Susanne Sommer, geboren 1982 und aufgewachsen im Burgenland in Österreich; Studium: Theater-, Film- und Medienwissenschaft und Sprachwissenschaft an der Universität Wien; Regieassistenz an verschiedenen österreichischen Bühnen (u.a. Schauspielhaus Wien) und Arbeiten für diverse Nachrichtenagenturen und Radiosender (u.a. ORF, ZDF). Heute: Mutter eines Sohnes, Autorin und Gestalterin; setzt sich u.a. mit den Themen „selbstbestimmtes Lernen und Leben“, „Geburt“, „Trauma“ und „Muttersein“ auseinander.
Veröffentlichungen in diversen Zeitschriften und Blogs (unerzogen, Mit Kindern wachsen, TAU, story.one). Veröffentlichung des Gedichte-Zyklus „womENtwicklung“ im WeissNet 2.0 Feministisch. Texte von Autor*innen 2021 der IGfemAT.
Buch-Veröffentlichungen: „Willi Wunder“ (edition riedenburg. 2018), „See-le-ben“ (Berger, 2019), „Vom Wolkenschauen und Träumegießen“ (Berger, 2020); mehr unter www.textbewegungen.at
