Die Zukunft aller Gegenwart heißt Vergangenheit

Jörg Krüger für #kkl33 „Vollendung“





Die Zukunft aller Gegenwart heißt Vergangenheit

So etwa wäre abgeschiedenes Leben:
Wenn die Zeit stille steht
auf ihre Weise,zwar bewegt leiser Wind kleine Zweige –
manches Mal, und seltener noch
fliegt ein kleiner brauner
Vogel auf,
um wieder zu entschwindenin
der Taxushecke –
sonst kaum etwas,
das sich regtund zeigt,
dass Erde und Welt
sich weiter dreht



Geboren in der Zeit zwischen irgendwelchen Kriegen,
nach dem letzten großen, denn es ist immer irgendwo Krieg,
über den letzten großen wurde eine Decke des Schweigens gelegt,
ach so vieles wird immer verschwiegen:
Sie nannten es eine Art Frieden,
denn einer der Kriege war kalt,
ansonsten hatten sie alles vermieden,
das Gedenken an die letzten Schüsse war schnell verhallt

Oder anders: Schnell verdrängt,
dass das Habevielam Leben von Habenichtsen hängt,
fürs Leben nur ein Schnellgerichtaus der Tiefkühltruhe,
Körper satt, doch Seele nicht,
trotzdem: erst mal Ruhe,
das Leid der Welt findet irgendwie da draußen statt,
man hebt weder Hand noch Stimme, eben: satt

Es muss Verrückte wie uns geben,
damit die Welt bestehen kann.
Wir hüten unser aller Lebenmit einem Gegenbann



Es gibt Bilder, die machen nicht warm:
Ein Mann hält einen kleinen Hund im Arm,
sieht so nett aus, und trägt die Uniform der Töter
verstörender könnte es für mich nicht sein,
kuschelt mit dem Kleinen und später
schießt er in die Menge hinein
Es gibt ein Traurigsein, das wichtig ist,
und niemand rede mir dann ein,
dass etwas andres richtig ist,
oft braucht es eine Zeit allein



Nur wenn du zu berechnen bist
wirst du in dir die Ängste tragen
Versuche, in Stille spurenlos zu gehen
Stelle keine Fragen.
Lege die Waffen nieder
Keine Schwertkarten ziehen
Nicht vor Unbill fliehen

Wir haben uns
neue Kreise erschlossen
Leise Kreise
Leitersprossen
Stufenweiseweise Kreise





T
reffe die Entscheidungen
bevor sie
dich treffen

das Vergehen,
was liegt daran,
wundernd

die Wunden
der Ewigkeit
erwandernd

häutend, heutend
des Standes
bewusst

gehöre
zu denen
die nicht hörig

finde Gemächer
wisse
den Ort

das Wagnis
des Bleibens
äonenlang

einer
der wenigen
Stetigenden

Urgründen
entstiegen
immer wieder

am heutigen
Morgen
immer wieder

nach
der Sternenreise
wieder erkennend

die Auen, die Hütte
am Hang,
der weißen Lilien

läuten  – 
sei verletzlich
dein eigener Wert





Bildern:

1 Die Illustration ist von Christian Rohlfs (1849 – 1938)

2  „Regenlandschaft“ Ist von der 2017 verstorbenen Fredelsloher Künstlerin Andrea Rausch; mit freundlicher Genehmigung der Hedi Kupfer Stiftung Fredelsloh als Nachlassverwalterin

3 Die Illustration ist von Ferenczy Károly (1862 – 1917) „Landscape in Springtime with the Flower Hill“ (1899)

4  Das Bild ist von Arthur G Dove (1880 – 1946)




Jörg Krüger, Jahrgang 1957, seit 2007 als Dingefinder mit Lesungen mit Musik unterwegs, seit 2014 in der Wahlheimat Fredelsloh in Südniedersachsen ansässig. Dort seit 2015 Veranstalter der Reihe „Texte und Töne in Fredelsloh“, mit Lesungen und Konzerten. Betreiber des Blogs Der Dingefinder.

dingefinder.blogspot.de






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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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