Helene Heusinger für #kkl34 „Klarheit“
Klarheit
– Dank, gedankt, Gedanke, gedacht, zerdacht, verdankt…
Gedanken zucken wie Blitze durch die Nacht, vor gleißend, vor weißem Himmel in ihren scharfkantigen Schatten, erscheinen und verschwinden, duellieren; Orkan, Sturm, Gewitter, aber die Metaphern können es nicht fassen; ein Bild, ölige Gedanken auf weißem Grund; Überlagerungen, Aufleuchten, Aufdunkeln, Verdrehungen, wirr durcheinander verwirren sie sich durch einzigartige Ungreifbarkeit; Gedanken über Gedanken schießen mit wenig „dank“ und viel „Ge“ durch sich hindurch, gerissen, gefallen, geschrien, geschwiegen, gewesen; und zerissen, zerbissen, zerirrt nehmen sie jedes Atmen, jeden Wimpernschlag fort; Worte stolpern, mitgerissen vom ersten, entrissen vom nächsten und übernächsten Gedanken, fast nur unzusammenhängende Fetzen von Buchstabenresten und Satzstückchen, da immer neue erscheinen; und das Gleißende, Weiße, Dunkle, die Schattierungen von Grauen im Gewitter auf dem Bild sind nur Modell, Realität ist Farbchaos, doch im vollkommenen Chaos noch unvorstellbarer bis hin zur Unvorstellbarkeit, bleiben wir also beim grauen Modell; hektisches, panisches Wegwischen auf der beschlagenen Scheibe für ein wenig Sicht, bis zur Erschöpfung, zum Erschlagensein; denn das Wischen, selbst verwischt, verwirbelt Gedanken zu grauer Masse, die sich auf das gleißendweiße Dahinter legt, bis Klarheit, dieses ist Klarheit, fast nur noch Erinnerung ist; doch keine Ruhe, sofortige Einnahme der geschaffenen, gemischten, glatten, grauen Oberfläche, die zumindest Blinzeln ermöglichte und Augen vorm Austrocknen durch Aufreißen im Sog der Gedanken durch Befeuchten bewahrte; sofortige Einnahme durch neue und neue Gedankenschatten, Wiederholungen; Übelkeit vor Schnelligkeit, vor Helligkeit, vor Dunkelheit, oder anders-?- doch keine Antworten, Fragezeichen weggezerrt, fallengelassen, überstaubt in Nanosekundenbruchteilen;

und mehr Wegwischen des Beschlagenem, für einen klaren Gedanken, für Durchsicht; Anstrengung; Überziehen, maßloses, des Kontos von Kraft zur Kraftlosigkeit, die erschlafft; bis der Himmel, bis das Zusammengebrochene zusammenbricht; wegspült und wegspült und wegspült und wegspült;

Welle für Welle und wegspült; Sprung in der Platte; Sprung zwischen Themen; Wiederholung, die irgendwann weitergeht und irgendwo wiederkommt; und in diesem einzigen, zermatschten Dasein, scheint es am Spülsaumrande doch ein Ankommen zu geben, im Jetzt. Im Beobachten der Wellen. Die Fließen. nicht eingefroren und kantig im Moment, sondern in Bewegung, wahrnehmend, fließend, sanft. Atmen, wie Natur atmet, Welle für Welle, Gedanke für Gedanke, monotone Veränderung. Und wegspült und wegspült. In dieser Strukturlosigkeit, eine Art, eine Art Illusion von Klarheit. Die Welt scheint geglättet und nicht mehr abgehakt, leise; rauschend, zwischen zwei Sender gedreht; Welle für Welle. Nur ist diese Klarheit nicht aus Erkenntnis oder Ruhe, sondern Erschöpfung erwacht, der Mechanismus der Fokussierung defekt; und bei Auftauchen aus dieser Erschöpfungsklarheit wartet purer, blanker Schock, wartet Erschlagensein vom Chaos der Gedanken, die mit voller Wucht peitschen, keinerlei Erholung. Sind eher die eindeutig begrenzten, scharfkantigen aber unbegreifbaren Gedanken Klarheit oder ist es die begreifbare, graue, verschwommene Gedankenmasse? Angst vor Klarheit. Vor ihrer Eindeutigkeit. Vor dem in ihr liegendem Erkennen. Vor ihrer Gleich- oder vielleicht Endgültigkeit?
In absoluter Wahrnehmung, wenn vorsichtig, nachsichtig, rücksichtig, rücksichtsvoll, sanft, leise ein Gedanke im Schlamm zwischen kristalldurchsichtiger Welle und nächster oder zwischen-Welle innehält – ein ausformulierter.
*Wellenrauschen* I… *Rauschen* Ich * Rauschen* b *Rauschen* bi.. *Rauschen* bin *Rauschen* . *Rauschen*
Bitte nochmal? Schnell, Zusammensetzen der Worte, um zu verstehen, zu denken, doch zu spät; Überlagerung; Worte verrinnen; und so von gleißend weißer Nacht mit scharfkantigen Schatten zu verwischtem, zerquetschtem, grauen Gedankenbrei, zu scharfkantigen Schatten auf diesem,
hin zum Ende dieses .
„Mein Name ist Helene Heusinger, ich bin 18 Jahre alt und sehe das hier einfach als individuelle Inspiration, Anregung, als Versuch. Meine Vita ist dementsprechend – ich habe dieses Jahr mein Abi gemacht, bin vor kurzem nach Norddeutschland für ein freiwilliges Jahr gezogen und jetzt hier bei der Klarheit gelandet und habe bisher auch nichts veröffentlicht.“
Über #kkl HIER
