Bernd Watzka für #kkl36 „Anarchie“
Isegrim auf Instagram
Wolf Isegrim, der heult vor Gram,
seit er sich sah auf Instagram.
Er ist erschüttert und entsetzt,
sieht seine Rechte grob verletzt.
Ein Bild von ihm geht um die Welt,
ein anderer macht damit Geld.
In Isegrim erwacht der Zorn,
schon hat er Rache sich geschwor‘n.
Er läuft zum Insta-Firmensitz,
sagt: „Zuckerberg, das ist kein Witz!“
Er packt den Chef und frisst ihn auf –
ist alles schon auf Insta drauf!
Anarcho-Gans Adelheid
Die Gans Adelheid
hat Kummer heut.
Denn Gäns-Erich
ist nicht ehrlich.
Er wolle zum Teich,
doch kommt Gekeuch
aus‘m Stadel ums Eck –
sein dunkles Versteck.
Dort treibt er‘s bunt
mit Ente Hildegund.
Adelheid macht Licht,
traut ihren Augen nicht.
Dann sieht sie im Stadel
eine Heugabel,
mit der sie den Wicht
hinterrücks ersticht.
So endet die G‘schicht.
Hitchcocks Vögel
Wollt ihr wissen, warum wir im Film
so böse sind, so unglaublich schlimm?
Stromleitungen frech besetzen,
Menschen töten oder schwer verletzen?
Manche meinen, wir sind ein Symbol
für verlorenes Menschenwohl.
Andere meinen, es geht um Ökologie:
Rache der Natur an Technologie.
Andere glauben, es geht fürwahr
um Kommunismus und Kriegsgefahr.
Alles falsch, ihr irrt euch wie immer
Worum es geht, das ist viel schlimmer.
Den Grund für unsere blutigen Taten,
ich werd‘ ihn hier und jetzt verraten,
sonst werdet ihr ja nimmer froh:
Wir verübten die Angriffe – einfach so!
Der Schwarm
(nach der gleichnamigen TV-Serie nach dem gleichnamigen Roman von Frank Schätzing)
Wir Tiere schwärmen weltweit aus,
koordiniert, in allen Meeren;
machen Menschen den Garaus,
ihr könnt euch kaum noch wehren.
Schiffe bringen wir zum Kentern,
wir verursachen Tsunamis;
können Küstenstädte entern,
in Europa und bei den Amis.
Es ist nicht so, dass uns das freute;
ihr Menschen seid ja wirklich arm.
Denn genug bestraft seid ihr Leute
mit der Fernsehserie „Der Schwarm“.
Bernd Watzka

Lebt und arbeitet in Wien als Lyriker, Dramatiker und Kulturjournalist. Studium Germanistik, Mag.phil.
LYRIK / VERÖFFENTLICHUNGEN
Tiergedichte-Band „Traum eines Chamäleons“ (198 Seiten), erschienen August 2023
Tiergedichte erschienen im Band „Fantastische Abenteuer in der Unterwasserwelt“ (2023, MTM Verlag), in der Anthologie „Damals … auf der Arche Noah“ (2023) von Martina Meier (Hrsg.)
im Poesiealbum 1/2023 („Klimawandel mit Donnerwetter“), im Wandkalender 2023 des Krogg Verlag, in der 8. Anthologie des Bubenreuther Literaturwettbewerbs 2022, auf verdichtet.at, kunstkulturliteratur.com, in der Anthologie „Das große Mahl“ (2022) der Literaturzeitschrift Podium, in der Zeitschrift der schule für dichtung „sfd & tiere“ (2022), im Wiener Bezirksblatt, in der Anthologie des Ulrich-Grasnick-Lyrikpreises (2022) und auf Radio Orange u.v.m.
LYRIK / LESUNGEN
Lesungen seit 2022 im Cafe Prückel/KiP, Bezirksmuseum Neubau, Bezirksmuseum Landstraße, Read!!ing room, Stuthe Quickie Open Stage im Amerlinghaus, Cafe Gagarin, Cafe Baharat u. v. m.
Videos von Lyrik-Lesungen: facebook.com/bernd.watzka
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