Warum

Cleo A. Wiertz für #kkl38 „Momentum“




Warum


Ein Funke

springt über,

einmal, zehnmal,

hoch zehn im

Neuronengewitter…


Immer wieder neu,

immer wieder anders.

Irrlichternd zwischen Zellen,

Vernetzt, Netze sprengend,

allen Netzen entrinnend..

Hier. Dort. Nirgends.

Immerzu, rastlos.


Immerzu

dieses Drängen,

dieses Öffnen,

dieses Funkeln

von Milliarden Neuronen…


Warum

gerade hier,

gerade jetzt

zwischen Dir und mir,

zwischen…




Pourquoi

Une étincelle

se transmet

une fois, dix fois,

puissance dix

dans l’orage neuronal…

Toujours renouvelée,

toujours différente,

feufollettante entre les cellules,

connectée, explosant les                                                      connections,

s’échappant de toute connexion.

Ici. Ailleurs. Nul part.

Encore et encore, sans répit.

Toujours

cette insistance,

cette ouverture,

cet étincellement

de milliards de neurones…

Pourquoi

juste ici,

juste maintenant,

entre toi et moi,

entre…




Ruhe, trügerisch

Alles ist ruhig.

Die Menschen gehen

ihren Geschäften nach wie immer,

aus Gewohnheit beflissen oder gelangweilt,

je nach Temperament. Gespräche, kaum begonnen,

versickern. (Macht nichts, zuhören tut sowieso keiner mehr.)

Smartphones werden gecheckt wie aus Verzweiflung:

Gibt es denn gar nichts Neues? Einkäufe werden

getätigt, unachtsam – wenn’s nicht gefällt,

umtauschen kann man immer. Zerstreut

werden Zeitungen durchblättert,

gähnend beiseite gelegt.


Warum nur

beschleicht mich,

seit langem der Städte entwöhnt,

ein Unbehagen, eine Spannung, als ob etwas

geschehen müsse, jetzt sofort, etwas Unausweichliches,

das keinen Aufschub mehr duldet, zum Beispiel ein Attentat, eine Revolution?


Danach vielleicht

fingen wir wieder

das Denken an,

das Fühlen…

Du calme, trompeur

Tout est calme.

Tout le monde poursuit

ses affaires, comme d’habitude,

assidu ou ennuyé, selon son tempérament.

Des discussions, à peine commencées, se tarissent,

(Qu’importe, de toute manière, personne n’écoute.)

On vérifie les smartphones, comme par désespoir:

Vraiment rien de nouveau? On fait des courses,

sans prêter attention – si on n’aime pas,

on peut toujours échanger. Distrait

on feuillette des journaux, les met

de côté en bâillant.

Pourquoi

je ressens –

depuis longtemps

déshabituée des villes –

un malaise, une tension, comme si

quelque chose d’inévitable devait se produire,

 maintenant, tout de suite, sans délai, comme un attentat, une révolution?

Après, peut-être,

on commencerait de nouveau

à réfléchir,

à sentir…





Cleo A. Wiertz

Jhg.1954. Diplom-Psychologin. Tätigkeit als Fabrikarbeiterin, Büroangestellte, Psychotherapeutin, Beraterin, Pädagogin, Supervisorin, Klinische Psychologin, freie Autorin.

Als Schriftstellerin und Bildende Künstlerin aktiv seit 1970. Diverse Ausstellungen von Bildern, Werkstücken und Fotografien. Publikation von Fachtexten, populärwissenschaftlichen Darstellungen, Essays, Kurzgeschichten, Gedichten. Lebt mit ihrem Mann im Elsass und im Hérault.

Interview aus 2022 für den #kkl-Kanal HIER







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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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