Na und?!

Robert Höpfner für #kkl43 „Moralisierung“




Na und?!

Mich hat eine Gleichgültigkeit sondergleichen befallen. Sie ist allumfassend, sie erstreckt sich auf alle Bereiche meines Lebens, aber nicht nur darauf. ´Na und?!´ ist meine gedachte oder ausgesprochene Reaktion auf alle Meldungen und Vorfälle, die aus den Medien oder sonst woher an mich herankommen. Ein Unglück hier, eine Katastrophe andernorts; Konflikte und sogar Kriege – na und?! sage ich nur und schalte ab und das im doppelten Sinne. Bei Neuigkeiten im Sinne von ´Haben Sie bzw. hast du schon gehört…?´ oder gar ´Hätten Sie gewusst,…?´ ist mir selbst das ´Na und´ zu viel.

Mittlerweile hat sich eine zweite Variante etabliert, mit der ich nahezu alles sofort zu einem Ende bringen kann. Es ist die Suggestivfrage: Was geht mich das an? Oder als Untervariante: Was hat das mit mir, was hat das meinem persönlichen Leben zu tun? Die Antwort ist stets die gleiche: Nichts! Da jedoch bei ´Nichts´ immer noch ein Funken Interesse klimmen kann, gibt es noch die Steigerungsform des ´Gar nichts´, mit dem ich den Funken mit dem Schuh austrete. Da mit der Gleichgültigkeit zugleich eine kompromisslose Ehrlichkeit mir gegenüber Einzug gehalten hat, muss ich zugeben, dass in seltenen Fällen der Funke sich in mein Herz retten will. Aber nichts da! Für diese Fälle ist das ´Absolut nichts´ reserviert.

Es ist klar, dass mein Verhalten auffällt und allgemein mit Missfallen aufgenommen wird. Wagt es jemand, mich darauf anzusprechen, bekommt er ein ehrlich gemeintes ´Was geht dich das an´ zu. Für diejenigen, die mir vorhalten, dass meine Einstellung nicht in Ordnung sei und die Frage nachschieben, was mit mir denn passiert ist, habe ich die Steigerungsvariante parat: ´Das geht dich einen Scheißdreck an´.

Mittlerweile heißt es über mich, ich sei unausstehlich geworden. Mir dir kann man ja nicht mehr normal reden, hörte ich anfangs oft.  Meine Antwort ist auch hier ein knappes ´Na und?!´- mit phonetischem Dreifach-Ausrufezeichen. Seit einiger lässt man mich in Ruhe.

Immer mehr weicht in mir nun das kategorische ´Na und´ auf und wandelt sich um in ein fragendes `Und jetzt?´





Robert Höpfner, geboren 1954 in München und seit 1981 in Grassau/Chiemgau,

Initiator des Literaturwettbewerbes ´Grassauer Deichelbohrer´.

Ich schreibe seit vielen Jahren Lyrik, lyrische Prosa, Erzählprosa, Erzählungen und

Essays; auch ein Roman ist dabei.

Bisher acht Buchveröffentlichungen, u.a. „Grillen zirpen in Plastikschachteln“ (Allitera

Verlag) und „Sonderlich.Wunderlich“ (Verlag tredition) und “Die Fliege im Brennholz“

(Geest-Verlag) sowie Beiträge in Anthologien (u.a. bei Reclam)






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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

3 Kommentare zu „Na und?!

  1. Und warum schweigst du dann nicht? Willkommen im Biedermeier. Sicher wird die Welt nicht besser oder schlechter wenn du dir keine Gedanken über sie machst, aber gemeinsamer Austausch kann helfen den eigenen Standpunkt zu hinterfragen umd nur so kann man sich entwickeln. Oder man hält es wie Buddha und strebt dem irdisch gelösten Nirvana entgegen.

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    1. Ich glaube, du verkennst die Quintessenz des Textes. Die Totalverweigerung des Protagonisten (das Ich ist ein dichterisches) führt ja geradewegs in eine Sackgasse, zum Ausdruck gebracht durch die Verwandlung des trotzigen `Na und´ in ein fragendes und hilfloses ´Und jetzt´. Die Frage ist, wie man da wieder herauskommt. Dazu würde sich dein Vorschlag durchaus eignen.

      Ich hoffe, du bist mit meiner Antwort zufrieden.

      Viele Grüße

      Robert Höpfner

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      1. Lieber Robert, ja, da gebe ich dir recht, ich hatte mich provoziert gefühlt und dann vielleicht ein bisschen zu spontan reagiert. Danke, dass du das klar gestellt hast. Viele Grüße Wolfgang

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