Daniel Schulz für #kkl5 „Endlich unendlich, unendlich endlich“
Sternenstaub
Wir schauen zu den Sternen
und sehen leuchtende Lichter
in den Lichtjahre weiten Fernen.
Sag mir, Dichter,
was trieb dich her zu ihnen?
Dass wir aus demselben Staub erwacht sind,
wie die nächtliche Glut da über uns?
Dass wir, in unserer Endlichkeit,
dieselbe Unendlichkeit in der sie weilen
mit ihnen zusammen teilen?
Endlich/Unendlich.
Sonnen. Millionenfache Funken,
Ein Sprühregen aus Licht,
Feuer von Dunkelheit umfangen,
ein Begehren, ein Verlangen.
Der Himmel in deinem Angesicht.
Ewige Wiederkehr
Leben wie in einer Schleife,
Leben wie ein deja vú,
verirrt in einer geraden Linie:
Ich ging im Kreis herum.
Und als ich dorthin wiederkehrte
wo ich angefangen hatte,
entdeckte ich etwas
vor dem ich mich nicht entziehen konnte.
Und dieses unerklärliche deja vu,
bespukte mich
wie ein Gesicht im Spiegel,
wie ein Refrain
vor dem ich nicht entfliehen konnte,
wie dem Aufsteigen einer Morgenröte,
wie dem Abstieg eines Mondes am Abendhimmel.
Endlichkeit
Die Blätter fallen
Von den Bäumen
Wie aus Büchern.
Wer bin ich?,
weht der Wind.
Ein Blatt, das fällt,
Antworte ich,
Der Laub zu Boden,
mein Gesicht.

Daniel Schulz ist Deutsch-Amerikanischer Autor, bekannt für seine Kurzgeschichtensammlung Schrei und seine Arbeit als Kurator der Kathy Acker Reading Room an der Universität zu Köln. Seine Arbeiten erschienen in Der Federkiel, Luftruinen, Die Novelle, The Transnational, Mirage #5, Gender Forum, Fragmented Voices, Divanova, Versification, #KKL, und der Anthologie Tin Soldier (Saturia 2020). Sein neustes Buch ist Kathy Acker in Seattle (Mis-Fit Lit 2020). Anfang Juli 2021 wird er in der limitierten Anthologie Corona-Schnee vom Salon29 und Divanova erscheinen. Demnächst wird sein Text „Unburying the Hatchett“ in Matias Viegener’s Get Rid of Meaning beim König Verlag in Berlin erscheinen.
