Kathrin Freder für #kkl9 „beseelt“
Ort der Seligkeit
(zu: Caspar David Friedrich und Christian Friedrich,
„Schlafender Junge neben Kreuz“,
Staatliche Kunstsammlungen Dresden,
Kupferstich-Kabinett)
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Ein kleiner Hügel,
es ist ein Grab.
Ein Kreuz darauf
zeigt es an.
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Ein Knabe,
er liegt auf dem Grab,
die Augen geschlossen,
lächelt selig.
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Keine Traurigkeit,
die ich fühle.
Es ist das Ganze,
das ich sehe.
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Leben und Tod,
jung und alt,
es sind Aspekte
des einen Seins.
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Das Grab und der Junge
zu Einem vereint.
Er lächelt selig
im Heiligen vertieft.
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Tief im Inner´n,
da spürt er es.
Er ist verbunden
und nicht abgetrennt.
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Er hat eine Seele,
die sein ich
und sein´ Körper
übersteigt.
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Die Seele ist frei,
sie flattert umher,
wie der Schmetterling
über ihm.
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Die Seele ist eins,
es gibt nur die Eine.
Er ist beseelt
wie alles, was lebt.
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Die Seele verbindet,
denn die Seele ist.
Sie kennt weder morgen
noch Vergangenheit.
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Die Seele vereint
die Körper der Welt.
Die Körper gehen,
doch die Seele bleibt.
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Die Seele ist es,
die ewig ist.
Sie in sich zu spüren,
ist Glückseligkeit.
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Ich betrachte das Bild
mit dem Jungen.
Er lächelt selig,
weil ihn weder Personen
noch Dinge der Welt
beglücken können.
Er lächelt selig,
weil das Heilige
im Unsichtbaren
sich offenbaren konnte.
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Kathrin Freder wurde 1973 in Riesa geboren. Sie studierte Rechtswissenschaften und arbeitet als Rechtsassessorin in einer Kanzlei. In ihrer Freizeit schreibt sie Gedichte, in denen sie Erlebtes aus Vergangenheit oder Gegenwart verarbeitet. Um sich bestehende Konflikte bewusst zu machen, nutzt sie oft Bilder berühmter Maler und Künstler. So entstand das Buch „Hell und Dunkel sind in uns – Hell und Dunkel, sie sind eins“, in dem sie Bilder Sascha Schneider´s zum Anlass nimmt, um sich mit sich und der Welt auseinanderzusetzen. Auch zu dem berühmten Panorama von Yadegar Asisi „Dresden 1945“ hat sie ein Gedicht „Das Ganze gilt es zu wahren“ geschrieben, welches am 06.03.2020 auf dem Facebook-Kanal vom Panometer Dresden veröffentlicht wurde. In der Anthologie „Umbrüche“ (Verlag Roloff) ist sie mit dem Gedicht „Vom Gestern zum Heute“ vertreten. Des Weiteren beteiligt sie sich an der Literaturwerkstatt des Kulturraumes Meißen – Sächsische Schweiz – Osterzgebirge.
