Danke ARD

Von Katja Bär für #kkl2 „Freiheit“

Ich gebe zu, auch ich gucke gelegentlich ganz normal Fernsehen, sogar ARD. Grund war die Serie „Charité“. Ich hatte gelesen, dass es in diesem Teil um den Bau der Berliner Mauer ging.

Filme über die DDR Vergangenheit berühren mich oft sehr emotional, da ich selbst DDR Bürgerin war. Dieses Zeitgeschehen noch mal zu durchlaufen, ist manchmal nicht einfach für mich. Gut, zur Zeit des Mauerbaus war ich gerade mal zwei Jahre alt. In dieser Nacht habe ich sicher fest geschlafen. Meine Mutter und meine Tante hatten den Soldaten unten vor unserem Haus heißen Tee gebracht. Ich selbst musste am nächsten Tag feststellen, dass ich auf der einen Seite nicht mehr um unseren Neubaublock herumlaufen konnte. Stacheldrahtrollen versperrten mir den Weg. Im Laufe meines Lebens bekam ich die Folgen der Mauer samt dem angeblich sozialistischen System anderweitig heftig zu spüren. Das Gefühl, eingesperrt zu sein, war ständig präsent und vertiefte sich schmerzhaft.

Trotzdem, den Film wollte ich mir ansehen. Ich bekam also gezeigt, wie sich der junge Staat schützt, um zum Beispiel das Weggehen der ausgebildeten Ärzte und Schwestern zu verhindern. In der vorgeführten Filmgeschichte wird gut aufgezeigt, in welchen Ängsten und Hoffnungen die Menschen waren. Besonders sichtbar die Zweifel der Menschen, welcher Wahrheit sie glauben schenken sollen.

Eine Menge Parallelen zu unserer heutigen Zeit. Ich werde gerade wieder öfters gefragt, wie es denn in der DDR gewesen war. Andere Menschen vergleichen die DDR Diktatur mit dem heutigen Zustand unseres Landes. Mit Mutti an der Spitze. Vergleiche hinken. Das weiß ich nur zu gut.

Doch das Bild meines Fernsehers zeigte den Vergleich auf. Junge Soldaten ziehen  Stacheldrahtrollen von den LKws, die ersten Steine werden vermauert und was sehe ich plötzlich als Eilmeldung in Dauerschleife unter dem historischen Geschehen? Die Bekanntgabe der neuesten Beschränkungen und Wegsperrmaßnahmen unserer heutigen Regierung. Beide Zeitepochen in einem Bild. Sicherlich absolut ungewollt von der ARD. Ein Doppelbild von damals und heute, wie beide Systeme ihre Bürger einsperren.

Vor über 30 Jahren brauchte die Regierung noch Stacheldraht, Mauersteine und Soldaten, um ihrem Volk die Freiheit zu nehmen. Und nicht zu vergessen, die Machthaber brauchten noch die Stasi. Auch im Film gibt es einen Vertreter dieses Machtinstrumentes. Mühsam plagt er sich ab, galt es ja für ihn möglichst unerkannt zu arbeiten. Angedeutet wird ebenso, dass es für Andersdenkende bedrohlich werden wird im sozialistischen Staat.

Alles Schnee von gestern? Mittlerweile bittet die Polizei auf ihrer Internetseite darum, dass doch der Bürger bitte erst mal genauer hinschauen sollte, bevor er meldet, dass sich irgendwelche Menschen verbotenerweise heimlich treffen. Jeder normale Bürger kann, und viele tun es auch andere Mitmenschen denunzieren oder Andersdenkende zum Beispiel auf Facebook nach Herzenslust beschimpfen.

Im Jahr 2020 brauchte die Regierung nur noch einen kleinen unsichtbaren Virus, um die Freiheiten ihres Volkes extrem einzuschränken. Einen Virus! Und der Großteil der Bevölkerung macht freiwillig mit und schränkt sich freiwillig ein. Dabei hat es immer Viren gegeben und wird sie immer geben.

Aber liebe ARD, jetzt kommt die gute Meldung. Ich durfte erleben, wie das Lügensystem DDR zusammengebrochen ist. Ich hoffe, es noch erleben zu dürfen, wie auch das heutige Lügensystem zusammenbricht. Ich weiß aus meinem Leben heraus, es kann schneller gehen, als man es zu hoffen wagt. Und vielleicht sitze ich dann gerade mal wieder vor dem Fernseher und darf diese Eilmeldung lesen. Oder irgendein Vertreter der Regierung liest sie mal wieder von einem kleinen Zettel ab.


Katja Bär

Kurzbiographie  

  • 1959 in Berlin geboren, dort und später in Dresden aufgewaschen
  • Abitur
  • Studium an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ /Puppenspiel
  • mehrere Jahre als Ensemblespielerin am Puppentheater Zwickau und später am Puppentheater Chemnitz 
  • Umzug nach Köln
  • Seitdem selbständig unterwegs unter den Namen „Figurentheater Bär“
  • Engagements in zahlreichen Gruppen und an verschiedenen Theatern
  • Arbeit als Regisseurin und Stückentwicklerin
  • Arbeit als Betreuungsassistentin für dementiell Erkrankte

Literarische Veröffentlichung

  • Mitautorin in „Mauerstücke“, erschienen im Ronald Henss Verlag 
  • Selbstveröffentlicht „Der zum Golde verdammte König“

Veröffentlicht von kklkunstkulturliteratur

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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