Danach:Davor

Annika Klempel für #kkl5 „Endlich unendlich, unendlich endlich“.


Danach:Davor

was bleibt sind unerfüllte träume, entfremdete beziehungen, geheime geschichten, die nie einen vertrauten gefunden haben, um sie auszusprechen. es bleiben behauptungen und vermutungen, die im kreis gedreht werden, ohne das ende zu finden.

was bleibt sind amselstimmen, ein frischer windhauch, erste sonnenstrahlen, erdenduft und blätteraroma. jene die wir schlafen gelegt haben, sind jene, die wachen. wir kommen wieder und wieder an ihr bett, hoffend, dass sie längst aufgestanden sind. du bist endlich frei von dem was bleibt.

was bleibt sind sorgen und ängste, die du abgelegt hast, die wir nun tragen und die uns nachts nicht schlafen lassen.

was bleibt sind vergilbte erinnerungen, worte aus zeiten, die wir nur aus worten kennen. es bleibt ein leerer platz an jedem tisch, eine lücke in jedem gespräch, ein fußabdruck, in den niemand tritt. es bleiben lauter dinge, in die niemand passt, zu denen niemand passt, für die niemand den mut hat, sie zu passen.

was bleibt sind fragen ohne antworten, denn die wahrheit hast du mit dir genommen. was bleibt ist eine fremde, die dir gar nicht ähnelt, die überreste eines kampfes, aus dem du als siegerin hervorgegangen bist, getarnt als ein aufhören.

was bleibt ist stickige luft, neonlicht, schlechter kaffee und verzerrte gesichter, die anmuten als würden sie hart arbeiten, weil sie in deiner gegenwart sonst nie so aussehen mussten.

was bleibt sind hände auf schultern, tränen auf wangen, schläuche an wänden, das gefühl, dass die zeit anhält und niemals weiterlaufen wird.

was bleibt ist stille – und wir.

mit dir.

in uns.



Annika Klempel ist 25 Jahre alt und Studentin im Master an der Universität Münster mit den Fächern Deutsch und Englisch für das Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen. Hinter dem, was zunächst beschaulich klingen mag, steckt ein Weg voller Bewegungen, Ausprobieren und Mut. Durch zahlreiche Praktika und Projekte, unter anderem am Schauspiel Köln, der Oper Köln und im Torre Abbey Museum Torquay in England, ist sie Stück für Stück ihrer Leidenschaft auf die Spur gekommen: Das Zwischenmenschliche. Dies zeigt sich nicht nur in ihrer Berufswahl, sondern auch in ihrer Kunst. Im Wort fühlt sie sich am meisten zuhause, doch auch Zeichnen und gestalterische Prozesse haben es ihr angetan. Ein kleiner Ausschnitt davon ist auf ihrem Instagram-Account @anniklmpl zu finden.

Veröffentlicht von kklkunstkulturliteratur

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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